KZ - Außenlager in Düsseldorf Das Lager Stoffeln

Im Südpark, befand sich das KZ-Außenlager Stoffeln. Dieses Lager am Stoffeler Kapellenweg war das erste in Düsseldorf eingerichtete KZ-Außenlager. Als einziges Düsseldorfer Lager gehörte es zum KZ- Sachsenhausen.

Am 20. Oktober 1942 trafen die Häftlinge in Düsseldorf ein. Ihnen wurde ein Barackenlager nordöstlich der Gaststätte Kolvenbach im Ausmaß von 150 x 75 Metern zugewiesen. Von allen Düsseldorfer Außenlagern entsprach Stoffeln am ehesten den gängigen Vorstellungen eines KZs. Das ungefähr 1,2 Hektar große Areal war mit einem Tor und einem hohen Stacheldrahtzaun eingefasst. An den Ecken und neben dem Tor befanden sich große Leuchtmasten, die außer bei Verdunkelung das Lager erhellten. In acht Holzbaracken waren 500 Häftlinge untergebracht. Die SS war mit 40 Mann außerhalb des Lagers in Baracken untergebracht. Unterstützung erhielt die SS durch Schutzpolizei. Sie patrouillierte nachts um das Lager und sicherte die Einsatzorte ab. Die beiden zentralen SS-Männer in Stoffeln waren Roland Puhr und Otto Högelow. Alleine während seiner Zeit im KZ Sachsenhausen hat Puhr über 40 Häftlinge ermordet. Dafür wurde er 1964 in der DDR zum Tode verurteilt.

Die Häftlinge setzten sich in erster Linie aus Ukrainern, Polen und Russen zusammen, die unter die Kategorie „politische Häftlinge“ fielen. Die deutschen Häftlinge in Stoffeln wurden in der Mehrzahl als sogenannten Berufsverbrecher bezeichnet, ein Sammelbegriff worunter die Nationalsozialisten nicht nur Kriminelle sondern auch andere Personen willkürlich zusammenfassten und stigmatisierten, um sie ausgrenzen zu können. Außergewöhnlich hoch war die Zahl der dort inhaftierten Ernsten Bibelforscher (Zeugen Jehovas).

Eingesetzt wurden die Häftlinge zur Trümmerbeseitigung nach Luftangriffen. Die Arbeit in den Trümmern war gefährlich. Dazu mussten die Häftlinge zu Fuß zu den Einsatzorten marschieren. Geweckt wurden die Gefangenen um fünf Uhr morgens. Zwei Stunden später stand der Morgenappell an und die Trupps rückten zur Arbeit aus. Gegen 12 Uhr gab es eine 30minütige Mittagspause. Sie wurde dort gemacht, wo sich der Trupp gerade im Einsatz befand, also in der Regel zwischen den Trümmern. Die Rückkehr ins Lager erfolgte gegen 16 Uhr, damit die Gefangenen rechtzeitig zum Abendapell um 17 Uhr antreten konnten.

Da das Lager ja nur wenige Monate im Herbst und Winter bestand, decken sich die Arbeitszeiten mit der Tageslichtverordnung. Nach dem Abendessen mussten die Gefangen noch bis 18 Uhr im Lager arbeiten. Die Nachtruhe begann um 20 Uhr.

Nicht nur der Arbeitseinsatz war gefährlich für die Gefangenen. Auch das Leben im Lager selbst war bedrohlich und endete für viele tödlich. Dabei wurde der Großteil der Gewalt nicht unmittelbar durch das Wachpersonal und die SS-Männer verübt. Vielmehr sprach die SS wegen zum Teil kleinster Vergehen Strafen aus, die dann durch die Funktionshäftlinge ausgeführt wurden.

Während beim Großteil der Morde der Tathergang und die Namen der Opfer häufig ungeklärt blieben, ist der Doppelmord an Egon Vorbrod und Willi Steinke relativ gut dokumentiert und zeigt beispielhaft den Zynismus, aber auch die juristischen Schwierigkeiten, eine offensichtliche Mordtat zu bestrafen. Den Hintergrund der Morde bildeten die kriminellen Machenschaften der Lager-SS, die Waren und Geld unterschlug. Die Häftlinge Vorbrod (35 Jahre) und Steinke (39 Jahren) wussten davon und versuchten, dies bei der Lagerleitung als Druckmittel einzusetzen. Am 14. Februar 1943 meldete Stoffeln an das KZ Sachsenhausen, die beiden Häftlinge seien flüchtig, obwohl sie sich nachweislich unter Arrest im Lager befanden.

Als die übrigen Häftlinge am Abend des nächsten Tages ins Lager zurückkehrten, durften die Insassen die Baracken nicht mehr verlassen, die Beleuchtung wurde abgeschaltet und die beiden Gefangenen sollten das Lager verlassen. Als sie das Tor passierten, wurden Vorbrod und Steinke von hinten erschossen. Das Todesdatum der beiden wird mit dem 16. Februar 1943 angegeben.

Das Lager Stoffeln gehörte zu den Außenlagern mit der höchsten Todesrate. In den fünf Monaten, in denen das Lager bestand, kamen hier nachweislich 111 Häftlinge ums Leben. Nur im Außenlager Osnabrück kamen prozentual mehr Menschen ums Leben. Im Februar 1943 wurde das Lager Stoffeln aufgelöst und die Häftlinge auf die besetzte Kanalinsel Alderney verlegt, wo sie beim Bau des Atlantikwalls eingesetzt wurden.