KZ - Außenlager in Düsseldorf Lager Kirchfeldstraße ehemalig Lager Deutsche Erd- und Steinwerke

Das Lager in der Elisabeth-Charlotten-Schule (heute Dumont-Lindemann-Schule) an der Kirchfeldstraße 74-80 unterstand der SS-eigenen „Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH“ (DESt). Während die beiden Berta-Lager durch die Industrie und die Bombenräumkommandos vom Höheren SS- und Polizeiführer-West finanziert wurden, zahlte ebenso wie für das Außenlager Stoffeln auch für das Lager Kirchfeldstraße die Stadt Düsseldorf.

Ende 1943 meldete das Hochbauamt Düsseldorf, dass die durch Luftangriffe verursachten „mittleren und schweren Schäden in absehbarer Zeit überhaupt nicht in Angriff genommen werden können.“ Daher war die Stadt bemüht, zusätzliche Arbeitskräfte zur Trümmerbeseitigung in die Stadt zu holen und gleichzeitig aber auch zusätzliche Kapazitäten in der Baustoffproduktion aufzubauen. Der Bitte kam die SS durch die Einrichtung von DESt-Lagern mit Schuttverwertungsbetrieben in Düsseldorf und Essen nach. Als erste KZ-Häftlinge des Lagers an der Kirchfeldstraße zogen die 50 Häftlinge ein, die aus Köln kommend für das Bombenräumkommando Kalkum vorgesehen waren. Ab dem 17. März 1944 kam dann zusätzlich ein weiteres Kommando hinzu, das zum Konzentrationslager Buchenwald gehörte, und zur Trümmerbeseitigung und Trümmerverwertung eingesetzt wurde. Das Kommando führte der SS-Unterscharführer Sablonsky, zeitweilig auch der SS-Oberscharführer Janitschke.

Die Stärke ihres Kommandos variierte zwischen 150 und 210 Häftlingen. Für die entsprechende Herrichtung der Schule als Lager entstanden Kosten in Höhe von 3.080 Reichsmark, die die SS der Stadt in Rechnung stellte. Diesen Betrag zahlte die Stadt gerne, da sie bis dato für die jeweils aus Duisburg angeforderten Häftlinge alleine Transportkosten von 4.000 Reichsmark pro Einsatz zu zahlen hatte.

Die Arbeit des Kommandos lässt sich anhand der Aktenlage im Stadtarchiv Düsseldorf gut dokumentieren. Zwar sind weniger die einzelnen Einsätze und Einsatzorte belegt als vielmehr die Produktivität des Lagers in der Baustoffrückgewinnung. Am Fürstenwall hatte die SS eine Stelle eingerichtet, in der alte Ziegelsteine aus Trümmerschutt von den Häftlingen geputzt und dann wieder verkauft wurden.

Unter dem Namen Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH, Schuttverwertung Düsseldorf-Essen, entwickelte sich so ein lukratives Geschäft. Die kaufmännische Leitung hatte Otto Goerges inne. Der kaufmännische Angestellte war seit Ende 1939 für die Hauptverwaltung der DESt in Berlin tätig, bevor er 1940 zum Konzentrationslager Neuengamme versetzt wurde. Hier übernahm er die kaufmännische Leitung des dortigen DESt-eignenen Klinkerwerks.

Bei der Verhandlung gegen den ehemaligen Geschäftsführer der DESt, SS-Obersturmbannführer Karl Mummenthey, während der Nürnberger Prozesse 1947, versuchte Goerges, Mummenthey zu entlasten, indem er die Arbeitsbedingungen im Neuengammer Ziegelwerk als vorbildlich und rationalisiert schilderte. Als Beweis legte er Bilder vor, die die technischen und prozessorientierten Produktionsbedingungen zeigten.

Zynischer Weise zeigen die Bilde eine vorbildliche Anlage, aber die weit über 1.000 Häftlinge, die dort in den Tongruben zu Tode geschunden wurden, bleiben unsichtbar. Wohl von der Strafverfolgung ausgenommen, verliert sich Goerges Spur ab 1947. Im September 1944 wurden 667.000 Ziegelsteine geputzt und wiederverkauft. Dieser Höchstwert wurde in der Folge nicht mehr erreicht, vermutlich wurde eine große Menge auf Halde liegender Steine abgearbeitet. Bis Februar 1945 wurden dann pro Monat zwischen 110.000 und 180.000 Steine auf diese Weise recycelt. Finanziell lohnte sich das Geschäft, pro 1.000 Steine stellte die DESt 30 Reichsmark in Rechnung. Mit diesem sehr günstigen Betrag unterlief sie den damals branchenüblichen Preis deutlich.

Zusammen mit den Häftlingen aus Kalkum und Berta traten die Häftlinge Anfang März 1945 den Rückmarsch nach Buchenwald an.