KZ - Außenlager in Düsseldorf Lager Berta ehemalig Lager Rheinmetall Borsig

Auf dem Gelände der ehemaligen Lokomotivfabrik Hohenzollern bestand zwischen dem 1. November 1943 und dem 3. März 1945 das Außenlager Berta des Konzentrationslagers Buchenwald. Rheinmetall, einer der wichtigsten deutschen Rüstungsbetriebe, unterhielt hier seit 1942 ein Werk für die geheime Rüstungsproduktion. Heute befindet sich hier das neue Stadtquartier Grafental.

Die Häftlingszahlen schwankten zwischen 300 bis 900 Häftlingen. Gründe hierfür lagen unter anderem in den Haftbedingungen, Krankheiten grassierten. So brach kurz vor Kriegsende im Lager Typhus aus. Auch wurden oft Gefangene nach Buchenwald zurückverlegt. Hinzu kam eine hohe Todesrate, die ebenfalls auf die Haftbedingungen und auf das brutale Verhalten der Wachmannschaften zurückzuführen ist. Der Großteil der Häftlinge kam aus Russland und Polen.

Dazu kamen Tschechen, Franzosen, Ukrainer, Jugoslawen, Litauer und „politische“ Deutsche, zumeist Kommunisten. In der Halle schliefen die Gefangenen in dreistöckigen Etagenbetten. Sie bildete den Mittelpunkt des Lagerlebens. In ihr wurde gegessen und geschlafen. In ihr hatten sich die Häftlinge außerhalb der Arbeitszeiten aufzuhalten. Lediglich zu den Arbeitseinsätzen durften sie die Halle verlassen. Die Lebensbedingungen waren katastrophal. Selbst die Wachmannschaften stuften das Lager als „sehr schlimm“ und mit „Ungeziefer stark verseucht“ ein.

Erster Lagerführer war der SS-Scharführer Sieghardt, der am 20. März 1944 von Walter Knauf abgelöst wurde. Er hatte ein ambivalentes Verhältnis zu den Häftlingen. Einerseits spielte er mit den Häftlingen Fußball, anderseits ließ er sie drakonisch bestrafen und erschoss mindestens einen Häftling persönlich.

Die innere Ordnung, das heißt auch die Disziplinierung, übertrug er „Funktionshäftlingen“, den Lagerältesten und Kapos. Knauf rekrutierte sie aus den Häftlingen; sie waren Vollstrecker seiner Strafen. Auch wenn das Kommando der SS unterstand, bestand das Wachpersonal im Wesentlichen aus Polizisten. Hinzu kamen Männer des SHD, einer Art Hilfspolizei.

Die Häftlinge von Berta I wurden für die geheime Rüstungsproduktion bei Rheinmetall herangezogen. Rheinmetall zahlte pro Häftling und Tag 5 Reichsmark an die SS. Verluste von Menschenleben wurden dabei von beiden Seiten in Kauf genommen. Die penible Buchführung der SS über Anzahl der Häftlinge, ihre Verwendung, Kostenaufstellungen und Leistungsnachweise belegt dies. Obwohl Rheinmetall die Häftlinge als Arbeitskraft bei der SS angefordert hatte und sie bezahlte, leugnete Direktor Dr. Fritz Beitter von Rheinmetall-Borsig nach 1945: „Es ist mir nicht bekannt, daß zwischen dem Werk und dem KZ Buchenwald irgendein Vertrag über die Arbeitszuteilung der Häftlinge bestanden hat.“

Die Liste der Toten und Misshandelten ist lang, die Todesursachen wurden oft verschleiert. Tötungen wurden offiziell als Suizide deklariert. Der Keller, gelegentlich auch als Waschkaue bezeichnet, entwickelte sich zum zentralen Misshandlungsort, an dem Funktionshäftlinge mehrmals Mitgefangene brutal schlugen, quälten oder gar ermordeten. Am 3. März 1945 wurde das Lager schließlich aufgelöst und die Häftlinge zurück nach Buchenwald gebracht.