KZ - Außenlager in Düsseldorf Bombenräumkommando Kalkum

Die sehr hohe Anzahl von Bombenblindgängern stellte während des Zweiten Weltkrieges eine immense Herausforderung dar. Ihre Bergung und Entschärfung war sowohl für die Bevölkerung als auch für die Feuerwerker hoch gefährlich, konnten die Blindgänger doch jeden Augenblick detonieren.

Der Einsatzbereich des Bombenräumkommandos Kalkum reichte weit ins Ruhrgebiet hinein. Untergebracht war dieses Kommando auf einem Gelände in der Nähe des Kalkumer Bahnhofs, südlich der Kalkumer Schlossallee. Ab 1940 in Kalkum stationiert, umfasste die Einheit 20 speziell ausgebildete Luftwaffensoldaten. Ab 1942 kamen Zuchthaus- und ab Mai 1943 KZ-Insassen hinzu. Während die Häftlinge die Bomben suchen und bergen mussten, oblag den Feuerwerken das Entschärfen der Blindgänger. Solange die Häftlinge beim Bombenräumkommando eingesetzt waren, unterstanden sie der Bewachung durch Luftwaffensoldaten und hatten eine gewisse privilegierte Situation. Dies war in besonderer Weise in Kalkum auch dem Kommandoführer Hauptmann Heinz Schweizer zu verdanken.

Am 23. Mai 1943 bezogen 50 KZ-Häftlinge aus Buchenwald ihre neue Unterkunft in der Schule an der Kirchfeldstraße 74-80, in der sich später das KZ-Außenlager Deutsche Erd- und Steinwerke (DESt) befand. Von dort wurden sie täglich zu ihren Einsatzorten gebracht, um das Kalkumer Kommando zu unterstützen. In der Literatur wird als Standort häufig die Adresse Arnheimer Str. 115/Kalkumer Bahnhof verwendet. Hierbei dürfte es sich um einen Interpretationsfehler der Nachkriegszeit handeln. Beide Orte trennen Luftlinie fast drei Kilometer. Jedoch lassen sich beide Adressen in Einklang bringen. Die KZ-Häftlinge standen zwar unter SS-Bewachung, doch wurde der Großteil der Sicherung und der Transport durch Hilfspolizei-Einheiten (SHD) durchgeführt. Ein solches Kommando war nachweislich im Reiterhof Arnheimer Straße 115 untergebracht.

Von der Kirchfeldstraße aus, wo sie nachts verblieben, wurden sie auf LKWs zu ihren Einsätzen zunächst zum Bombenräumkommando nach Kalkum gebracht.

Die Zahl der Blindgänger nahm mit der steigenden Zahl der Luftangriffe zu. So wurden nach britischen Unterlagen beim Pfingstangriff 1943 auf Düsseldorf 1.300 Sprengbomben, über 300 Luftminen und mehr als 225.000 Brandbomben auf die Stadt abgeworfen. 219 Blindgänger wurden in den Folgetagen entschärft. Mit den komplizierter werdenden Zündern stiegen die Verluste. Alleine unter den Feuerwerkern starben zwischen Ende 1943 und Anfang 1945 zehn Mann. Die Zahl, der getöteten Häftlinge war um ein Vielfaches größer. Gesamtzahlen liegen allerdings nicht vor.

Der Kommandoführer Kalkum, Hauptmann Schweizer, gehörte zu den führenden Spezialisten auf Seiten der Wehrmacht in der Analyse der neuen Typen und der Entwicklung von Entschärfungsstrategien und Werkzeugen. Der ehemalige Soldat der ‚Legion Condor‘ machte während des Zweiten Weltkrieges als Bombenentschärfer Karriere. Die NS-Propaganda stilisierte ihn zum „Mann mit den Stahlnerven“. Verschiedene von Schweizer entwickelte Techniken zur Bombenentschärfung werden heute noch bei der Kampfmittelbeseitigung angewandt.

Trotz dieses Heldenstatus ging Schweizer mit zunehmender Kriegsdauer auf Distanz zum Regime. Sein Verhältnis zur SS gerade in Häftlingsfragen war angespannt. So habe Schweizer zunehmend Einsätze verschleppt und weniger Leute zu Einsätzen rausgeschickt als angefordert. Im April 1945 rettete er 50 Zuchthaushäftlingen das Leben, die die Gestapo ermorden wollte, mit der Begründung, die Häftlinge seien im Einsatz und nicht erreichbar. Für 60 Häftlinge gab es keine Rettung. Sie wurden Opfer eines Endphaseverbrechens und am 13. April zusammen mit elf anderen Gefangenen in der Wenzelnbergschlucht bei Solingen ermordet.

Das Bombenräumkommando wurde hingegen nach Hagen verlegt, wo es sich schließlich den Amerikanern ergab. Die KZ-Häftlinge waren bereits Anfang März 1945 abgezogen worden. Sie wurden mit den Häftlingen des Außenkommandos Deutsche Erd- und Steinwerke, mit denen sie auf der Kirchfeldstraße zusammen untergebracht waren, nach Buchenwald zurück verlegt, - ein Rückmarsch, den viele nicht überlebt haben dürften.


Zu dem Lager Kalkum gibt es keine konkrete Anschrift. Das Lager befindet sich an der Waldlänge westlich der Eisenbahnstrecke Duisburg - Düsseldorf südlich der Kalkumer Schlossallee.