KZ - Außenlager in Düsseldorf Juristische Aufarbeitung

Die ersten juristischen Aufarbeitungen zum Lager- und Haftsystem erfolgten in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Ein Großteil unseres Wissens über die Außenlager verdanken wir diesen Ermittlungen, die noch auf Zeitzeugen und Beteiligte zurückgreifen konnten. Gegen den Lagerführer von Berta I und II, Walter Knauf, verhängte das Schwurgericht Düsseldorf am 11. Mai 1950 zehn Jahre Zuchthaus wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Tateinheit mit Totschlag und gefährlicher Körperverletzung. Dabei wurde die Erschießung eines französischen Häftlings im Papierlager entgegen der Forderung der Anklage nicht als Mord, sondern als Totschlag gewertet, da die niederen Beweggründe oder Heimtücke für das Gericht nicht ersichtlich waren. Hierbei spielte für das Gericht der Fluchtversuch eine herausgehobene Bedeutung, da sich der flüchtige Franzose bei seinem Entschluss zur Flucht aller Eventualitäten bewusst gewesen sein musste. Lediglich für die Misshandlung der Häftlinge sah das Gericht Verbrechen gegen die Menschlichkeit als erwiesen an.

Selbst in dem eigentlich klaren Fall der Ermordung der beiden Häftlinge Vorbrod und Steinke im Lager Stoffeln wurde noch nicht einmal Anklage erhoben. Alle Ermittlungsverfahren verliefen im Sande. Zu der „Mauer des Schweigens“ kam, dass den Juristen keine belastbaren historischen Forschungen vorlagen, auf die sie sich stützen konnten. Vielfach waren es nur Zeugenaussagen, die sich zum Teil auch noch inhaltlich widersprachen. Ein weiteres Problem der relativ späten Ermittlungsanstrengungen gegen die SS-Wachmannschaften war der sich im Alter verschlechternde Gesundheitszustand.

Die fehlende wirkliche Aufarbeitung hinterließ bei den Opfern ihre Spuren. Verdrängungsmechanismen waren auch bei ihnen erkennbar. Entweder verweigerten manche die Aussagen oder gaben an, nicht mehr über nennenswerte Erinnerungen zu verfügen. Sie wollten den Blick nicht zurück richten. Die Opfer wurden konfrontiert mit in die Bundesrepublik hinein überlieferten Vorurteilen gegen ihre Herkunft, politische Überzeugung oder gesellschaftliche Stellung. Einem wegen „Asozialität“ verurteilten Häftling wurde die Entschädigung für seine vierjährige KZ-Haft verweigert, da „seine Handlungen unter Berücksichtigung seiner Persönlichkeit […] ebenso wenig wie die Einweisung und Registrierung als Asozialer den Schluss zulassen, dass sie [die Haft, d. Verf.] der Ausdruck einer politischen Gegnerschaft gegen den Nationalsozialismus darstellen.“ Selten fanden die Opfer den Mut, offen über die Last und die Wunden, die die KZ-Zeit hinterlassen hatte, zu sprechen.

Nur wenige fassten dies gegenüber den Ermittlungsbeamten in Worte. 1970 äußerte sich dazu ein ehemaliger polnischer Häftling: „Die Misshandlungen und unmöglichen Arbeitsbedingungen in den Lagern haben meine Gesundheit stark geschädigt. Ich bin jetzt herzkrank, leide an zu hohem Blutdruck, Rheumatismus und meine Nerven sind vollkommen zerrüttet. Ich leide auch an Minderwertigkeitskomplexen, die mich schon in den Lagern überkamen, und die es mir nicht möglich machten, nach der Befreiung den entsprechenden Beruf zu ergreifen.“